Segensstation Sankt Martin

Standort: Hof Roring, Roringshook 8
Erbaut 1935, Höhe 3,5 m, Gesamtbreite 5 m.
Aufbau: Bruchsteine und Klinker
Relief: Muschelkalk
Künstler: Josef Meinert
Adalbert Friedrich erinnert sich:
Im September1935 wurde diese Segensstation eingeweiht. Anlass war das 25-jährige Gründungsfest der Raesfelder Kolpingfamilie. Es fiel in die Zeit des Dritten Reiches. In den zwei Jahren ihrer Regierungszeit hatten die Machthaber den konfessionellen Verbänden und Vereinen durch willkürliche Maßnahmen und Polizeiverordnungen ihre Freiheit beschnitten und ihre Arbeit gehemmt. Das Tragen der Tracht, jedes geschlossene Auftreten in der Öffentlichkeit durch Wort und Schrift sowie Zeigen ihrer Fahnen und Banner waren verboten. Somit blieb auch der Raesfelder Kolpingsfamilie im Sommer 1935 nichts anderes übrig, als das silberne Vereinsjubiläum in aller Stille als geschlossene Gesellschaft in Grundmanns Saal zu feiern. Der Höhepunkt des Tages, es war der 15. September, sollte jedoch die kirchliche Weihe der neuen Fronleichnams-Station sein.

In wochenlanger Arbeit hatten Meister, Gesellen, Lehrlinge und Helfer sie vor dem Hof Roring errichtet. Die Kolpingfamilie hatte ihre Vereinskasse geleert und mit dem ersparten Geld einen Teil der erforderlichen Baumaterialien bezahlt. In den festen Steinen und dicken Bruchsteinen glaubten sie ihr Vereinsvermögen gut angelegt zu haben, für das sie bei einer zu erwartenden Auflösung ihres Verbandes durch die geheime Staatspolizei bestenfalls nur eine Quittung erhalten hätten. Der Besitzer des Grundstückes, Roring, stellte die Fläche für die neue Station zur Verfügung und gab auch aus dem Keller seines Hauses die Bruchsteine "zum Aufbau einer imposanten Grotte", wie Pfarrer Austermann schrieb. Den Bauplan fertigte der Architekt Ostendorf an, der auch an den langen Sommerabenden die Bauaufsicht übernahm.
In München schlug in diesen Wochen der aus Raesfeld stammende Bildhauer Josef Meinert ein Relief vom heiligen Martin, dem Schutzpatron der Raesfelder Pfarrkirche.
Pfarrer Austermann rief die Gemeindemitglieder zu Spenden für dieses Bauwerk auf und ließ am Sonntag vor der kirchlichen Einweihung in allen Messen den Klingelbeutel durch die Kirchenbänke reichen. Er rief auch die Schuljugend auf, ihren Beitrag zu leisten, und hoffte, "dass die Kollekte einen guten Erfolg hat und dass außerdem größere Beträge von gutsituierten Leuten zur Verfügung gestellt werden." Als das schwere Steinbild des Heiligen, der hoch zu Ross sitzend für einen Bettler seinen Mantel teilt, aus der bayrischen Hauptstadt in Rhade auf dem Bahnhof eintraf, holten es einige starke Männer mit dem Lastwagen der Weberei Becker von dort ab.

In der Rückwand der Station, dem Hof Roring zugewandt, fand eine Steinplastik aus der alten Segensstation vom Osterkamp, die die Aufnahme Mariens in den Himmel zeigt, einen neuen Platz. Zu den letzten Arbeiten vor dem Festtag gehörte auch das Einschlagen der Jahreszahl "1935" in einen der großen Bruchsteine.
In den sechziger Jahren wurde - bedingt durch die Flurbereinigung - die Station von einer öffentlichen Zufahrt abgeschnitten. Die Umgebung verfiel und verödete, das Bauwerk zerfiel. 1992 - die Kolpingfamilie feierte ihr 75jähriges Vereinsjubiläum - wurde die inzwischen stark verwitterte Station restauriert und als "zeitgeschichtliches Denkmal" festgeschrieben.
Im Mai 2001 wurde diese ehemalige Fronleichnamsstation nach einer letzten Neugestaltung erneut eingesegnet. Heute ist auf der Rückseite der Station ein Bildrelief "Maria Himmelskönigin" und ein Kreuz zu sehen, welche vom Raesfelder Bildhauer Ferdi Löchteken geschaffen wurden.
Der Sockel trägt die Inschrift:
„Auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Lukas I. 48“.
Quelle: Heimatverein Raesfeld
Fotos: Reinhard G. Nießing - RGN
